Im Fokus: Der digitale Wandel in Institutionen und Bibliotheken. Was kauft der Bibliothekar heute?

Bibliotheken und Institutionen müssen sich heute wachsenden Herausforderungen stellen: Etat-Einschnitte, gestiegene Sicherheitsanforderungen, gleichzeitig aber auch die Aufbewahrung, Erhaltung und andauernde Verfügbarkeit von Informationen oder die gesicherte Endgerätekompatibilität, um nur einige zu nennen.

Welche Überlegungen stehen nun im Mittelpunkt von Bibliothekaren und den für die Beschaffung wissenschaftlicher Informationen zuständigen Personen („Information Professionals“), welche Erwartungen gibt es an Verlage und elektronische Publikationen und welche Trends zeichnen sich im Bereich der wissenschaftlichen Beschaffungen ab?

Fragen wie diese beschäftigen uns bei der Makrolog Content Management AG schon länger, sind doch Bibliotheken und Institutionen wichtige Kunden, mit denen wir uns intensiv auseinandersetzen. So ist einer der wesentlichen Schwerpunkte der Makrolog Recht für Deutschland GmbH die Belieferung von Bibliotheken mit elektronischen Informationen. Zusammen mit unserem amerikanischen Kunden Philosophy Documentation Center betreuen wir weltweit mehr als 1500 Bibliotheken mit weit mehr als 100 elektronischen Publikationen. Allein in Deutschland werden von uns über 100 Bibliotheken beliefert.

Um unsere Kunden optimal beraten zu können, stehen wir mit Bibliotheken und den dort tätigen "Information Professionals" in regelmäßigen persönlichen Kontakt und erfragen deren Bedarf. Von uns durchgeführte Veranstaltungen wie die Präsentation der neuen Recht für Deutschland-Website im Presseclub Wiesbaden 2011, die Teilnahme am jährlich stattfindenden Deutschen Bibliothekartag, aber natürlich insbesondere die kontinuierliche Versorgung von Bibliotheken mit digitalen Informationen führen zu einer intensiven Kenntnis des wissenschaftlichen Beschaffungsmarktes.

Grundsätzlich haben Institutionen und Bibliotheken - national wie international – heute mit erheblichen Etatkürzungen und immensen Platzproblemen zu kämpfen. Beides hat zur Folge, dass die Anschaffung aller Publikationen auf dem Prüfstand steht. Angeschafft wird nur, was wirklich nutzt.

Um diesen Anforderungen gerecht werden zu können, haben sich bemerkenswerte Trends herauskristallisiert:

Lebe (nehme) lieber digital

90 % der Beschaffungsetats fließen aktuell in elektronische Publikationen. Aufgrund von Platzproblemen der Bibliotheken werden elektronische Veröffentlichungen den gedruckten vorgezogen.

Rather take Ebooks

E-Books laufen gedruckten Büchern den Rang ab. Ein neues Werk wird in der Regel erst dann angeschafft, wenn es als E-Book auf den Markt kommt. Das ist oftmals erst bis zu einem halben Jahr nach Erscheinen des Printprodukts der Fall. Hier stellen sich die Bibliothekare die Frage, warum Verlage nicht gleichzeitig beide Versionen veröffentlichen?

Content counts - Nur der Inhalt zählt

Datenbanken per se verlieren an Stellenwert - was einzig zählt, sind die Inhalte einer Datenbank. Auf Grund von verschiedenen Erschließungsmechanismen wird beispielsweise innerhalb der amerikanischen Bibliothekslandschaft (Discovery Services wie Summon von ProQuest, Discovery Service von EBSCO oder Primo Central von ExLibris) eine Suchanfrage direkt auf das gewünschte Dokument gelenkt und nicht mehr einfach nur in eine Datenbank, in der der Nutzer sich dann selbst überlassen bleibt. Folglich spielen Usability oder Optik einer Datenbank für Bibliotheken keine wesentliche Rolle mehr. Alles was zählt ist der Content, auf den direkt verlinkt wird.

Was bedeutet dies aber nun für Verlage und Publizisten? Unsere wichtigste Erkenntnis: Gezielt und engagiert aber mit Bedacht auf das Verlegen von Online-Content stürzen!

Ein Verlag ist ein Verlag ist ein …?

Gewohnte und traditionelle Standards wie Verlagsnamen, deren Reputation oder Branding verlieren mehr und mehr an Stellenwert. Gewinnen werden die Zusatzfeatures innerhalb des Contents selbst: Verlinkung von PDF Referenzen, die Standardisierung von DOI (Digital Object Identifier) - um nur einige Beispiele zu nennen.

Nur wer nachweist, spielt weiter mit

Das Nutzerverhalten muss messbar sein. Anbieter von Online Content, die keine Nutzerstatistiken nach dem Counter Compliant Standard anbieten, manövrieren sich selbst langfristig ins Abseits. Nur ein nachgewiesenes aktives Nutzerverhalten rechtfertigt Bibliotheksabonnements in den Folgejahren. Wer dies nicht dokumentieren kann, wird in Zukunft nicht mehr berücksichtigt.

Auch im internationalen Vergleich zeichnen sich diese Ergebnisse ab: So fand im Januar die 8. Tagung der Annual Librarian Focus Group in Washington DC mit dem Ziel statt, Verlagen und publizierenden Gesellschaften einen Einblick in die Arbeitswelt von Bibliothekaren zu geben. Diskutiert wurden auch dort Fragen nach den Beschaffungsanforderungen, mit denen Bibliothekare jährlich zu kämpfen haben.

Die Konsequenzen für Verleger und publizistisch Tätige stimmen mit unseren Erkenntnissen überein. Unabdingbar sind Strategien für zielgruppengerechtes E-Publishing.